Frauen in Ägypten 

 

          

 

 

In den meisten Kulturen der Antike war die Frau dem Mann untergeordnet. Sie galten als unmündig, mussten sich vor Gericht von ihm vertreten lassen und konnten weder über ihren Besitz noch über sich selbst frei verfügen.

Im Alten Ägypten war die Frau eine selbstständige Rechtsperson, die persönlich vor Gericht erscheinen konnte und auch über ihr Vermögen frei verfügte. Ihnen standen vor Gericht mehr Rechte zu als anderswo üblich, z. B. konnten sie sich von ihrem Mann scheiden lassen, oder diesen (oder sogar den eigenen Vater) verklagen. Doch waren diese Gesetze nicht konfisziert, deshalb weiß man nicht, inwieweit die Frauen tatsächlich von ihren Recht gebrauch machen konnten.

 

Die Mehrheit der weiblichen Bevölkerung von über 90%, wurden von den Frauen der Bauern gebildet. Dazu kommen die vielen Dienerinnen, die bei wohlhabenden Hausfrauen angestellt (im Neuen Reich meistens Sklavinnen) waren. Über den Status und das Leben dieser Bauersfrauen ist nichts bekannt.

Über die Frauen der Oberschicht weis man mehr. Ihre Männer waren Schreiber, hohe Beamte usw. Jedoch ließen sie sich nicht auf Grabwänden darstellen und schrieben keine persönlichen Biographien über sich und ihre Taten auf. Sie lernten die Schreibkunst nicht, das war den Männern vorbehalten. Dadurch war die Frau politisch bedeutungslos und konnten Macht nur indirekt über Männer ausüben. Sie konnten Vermögen erben und darüber verfügen, waren aber von der Versorgung durch den Ehemann abhängig und deshalb nur begrenzt selbstständig. Alleinstehende Frauen und besonders Witwen hatten es schwer; die Männer rühmten sich damit, ihnen geholfen zu haben.

 

Da sie nicht schrieben, gibt es keine Weisheitslehren von Frauen, sie schrieben nicht ihre Gedanken oder Ideale auf Papyrus, es gibt nicht einmal Kochrezepte. Die Schreibbinse wurde von Frauen nur zum schminken benutzt, wie Bilder zeigen. In die Ewigkeit wollten sie jung und vollkommen eingehen, auch erscheinen sie so auf Grabwänden. Das Schönheitsideal der Frauen war helle Haut, zierlich und graziös, langbeinig und schmalhüftig mit kleinen, hohen Brüsten und großem Kopf. Die Mode war schlicht und gleichzeitig raffiniert, aus weißem Leinen. Im Alten Reich trugen die Frauen ein enges, körperbetontes, knöchellanges Hemd mit Trägern, im Mittleren und Anfang des neuen Reiches endete das Gewandt unter dem Busen und ließ ihn frei. Später kam darüber ein gefälteltes Oberkleid, dazu Accessoires wie Gürtel, Schleifen, Kragen, Schmuck u. ä. Die Frisur war äußerst wichtig, je nach Mode langsträhnig, gekräuselt und zu kleinen Zöpfen geflochten (siehe unter Alltag) . Zu offiziellen Anlässen trugen die Frauen stets eine Perücke, die natürlich mit ins Grab kam. Das Haar zählte zu den wichtigsten Reizen der Frau.

 

Vor Gericht war die Frau gleichberechtigt, dennoch werden sie in den erhaltenen, von Männern geschrieben Texten als unvernünftige, unberechenbare Wesen bezeichnet.

 

Mit 12 bis 15 Jahren wurde das Mädchen an einen etwas älteren Mann verheiratet, ohne jede Formalität. Die verheiratete Frau wurde als "Herrin des Hauses" bezeichnet. Sie kümmerte sich um Haushalt, Kinder, Brotbacken, Bierbrauen und die Aufsicht der Diener; jedoch nicht auf Darstellungen an Grabwänden, dort macht es der Grabherr persönlich. Das Leben war nicht nur auf das Haus beschränkt, sondern die Frauen gingen auch zum Verkauf von Waren auf den Markt. Die häuslich Fürsorge war aber der Mittelpunkt. Vor allem hatte die Frau Kinder zu gebären, wobei natürlich ein Sohn darunter sein sollte. Sie war der "Acker für ihren Herrn". Es herrschte eine hohe Sterblichkeit von Müttern und Kindern, obwohl es bereits gute Ärzte und Gynäkologen gab. Auch wirksame Methoden zur Früherkennung und Verhütung von Schwangerschaften waren bekannt.

 

Gattinnen und Töchter hoher Beamter fungierten im Alten Reich als Priesterinnen der Hathor, später wurden sie "Sängerinnen des Amun" genannt. Der Tempeldienst bot ihnen die Gelegenheit, ehrenvolle Funktionen auszuüben, es gab aber keine weiblichen Vorlesepriester.

Wenn in der Stadt Memphis der heilige Apis-Stier starb wurde ein weibliches Zwillingspaar ernannt, das bei der Begräbniszeremonie als Priesterinnen fungierte. Das Amt hatten sie so lange inne, bis der nächste Stier starb, dann wurde ein anderes Paar ausgewählt.

 

Auch für das Jenseits hatten Frauen Versorgungsansprüche, sie konnte (theoretisch) eine fachmännische Mumifizierung und einen Platz im Grab ihres Mannes erwarten. Sie erscheint auf Grabwänden an seiner seite und erfreut sich an den Opfergaben. Im Alten Reich war dies nicht die Regel. Von den 807 Gräbern am Westufer des Nils  bei Memphis gehörten nur 68 Frauen und das waren meist Frauen und Töchter hoher Beamter. In mehr als der Hälfte der Gräber war von der Ehefrau nichts zu lesen und zu sehen. Damit war sie wohl dem schlimmsten aller Schicksale, dem Vergessen und somit dem wahren Tod anheimgefallen.

 

Eine bedeutende ägyptische Frau, wenn nicht sogar die bedeutesnste Frau Ägyptens war die Königin Hatschepsut. Über sie werde ich im Kapitel "Hatschepsut" ausführlich berichten.

 

 

 

Quellen: Ägypten - Menschen, Götter, Pharaonen

             

 

 

                       

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